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Festes Hus

Sachsen gehört zu den burgenreichen Gebieten Mitteleuropas. Doch nur wenige Adelssitze sind archäologisch so umfassend untersucht und erbrachten ein derart spektakuläres Fundmaterial wie die kleine, im Tal der Göltzsch liegende Anlage zu Rodewisch (Vogtlandkreis). Diese mittelalterlich-frühneuzeitliche Wasserburg wurde im heutigen Rodewischer Ortskern im Bereich des Zusammenflusses der beiden Wasserläufe Pöltzsch und Göltzsch errichtet. Während der Ort 1411 erstmals erwähnt wird, liegt für die Befestigung, die den Flussnamen Göltzsch übernommen hat, erst für 1450 eine Nennung vor. Sie war fast immer Teil der Herrschaft Auerbach und sah im Verlauf der Jahrhunderte die verschiedensten Eigentümer, so u. a. die Vögte von Plauen, die Burggrafen von Dohna und die Wettiner. Mit der Zeit wandelte sich die kleine Burg zum landwirtschaftlichen Gut. Nachdem schließlich 1911 die Stadt Rodewisch in den Besitz der Anlage kam, setzten umfangreiche Veränderungen ein: In den zwanziger Jahren baute man den in geringen Resten erhaltenen äußeren Graben zu einem großzügig angelegten Gondelteich aus. Im Rahmen einer Stadtparkanlage wurde in den dreißiger Jahren auch das ehemalige Rittergut neugestaltet. Dabei ging im Frühjahr 1937 dem Abriss des dreiflügeligen Wirtschaftstraktes im ehemaligen Vorburgareal eine vom Sächsischen Landesamt für Denkmalpflege initiierte Bauuntersuchung voraus. Sie sollte klären, welche Teile der Anlage als historisch wertvoll galten und erhalten bleiben konnten. Durchgeführt wurde die Untersuchung von dem jungen tatkräftigen Architekten Hans Nadler, dem späteren Sächsischen Landeskonservator, dessen Name mit dem Wiederaufbau Dresdens und der Denkmalpflege in Sachsen untrennbar verbunden ist. Er stellte fest, dass die älteste erhaltene Baustruktur, das so genannte Schlößchen, ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert war. Das Resultat verwunderte Nadler: Da die Ersterwähnung der Burg 1450 erfolgte, vermutete er ältere Baureste noch unter der Erde. In der Nordostecke der Anlage war ihm schon lange eine große, als Obstgarten genutzte Freifläche aufgefallen. Hier legte er Suchschnitte an und stieß am 14. April 1937 auf die Grundmauer der einstigen Hauptburg. Auf Initiative des Landesamtes für Denkmalpflege und der Stadt Rodewisch kam in der Folge eine – zeitweise annähernd 100 Mann starke – Reichsarbeitsdienstmaßnahme in Gang. Die Untersuchungen mussten 1939 wegen des Zweiten Weltkrieges abgebrochen werden. Ausgrabungstechnisch gab es große Schwierigkeiten zu bewältigen: Zum einen erfolgten die schweren körperlichen Arbeiten, anders als heute, noch weitgehend ohne maschinelle Hilfe. Zum anderen stand schon 60 cm unter der Geländeoberkante das Grundwasser an. Im Laufe der archäologischen Untersuchung trat der Grundriss der ehemaligen Hauptburg als eine annähernd quadratische, rund 21 x 21 m große Anlage mit ca. 1,25 m starken Außenmauern zutage. Um einen kleinen Innenhof gruppierten sich an der Nord- und Westseite die Haupträume der Burg, von denen nur die Räumlichkeiten an der westlichen Außenmauer und an der Nordwestecke unterkellert waren. Die Hauptburg besaß einen eigenen Graben, der mit dem äußeren mittels einer Holzröhre verbunden war (Prinzip des kommunizierenden Rohres zum Ausgleich des Wasserstandes in beiden Gräben). Der Zugang erfolgte über eine Zugbrücke an der Ostseite. Hervorzuheben ist die, zum Zeitpunkt der Ausgrabung alles andere als selbstverständliche, Zusammenarbeit mit fachfremden Wissenschaften. So wurden Holzproben im Forstbotanischen Institut zu Tharandt untersucht. Dabei erfolgte nicht nur die Holzartenbestimmung. Die Rodewischer Proben bildeten auch eine der Grundlagen für die Entwicklung der Dendrochronologie, d.h. die für die Archäologie und Bauforschung so wichtige Altersbestimmung der Hölzer mittels Jahresringzählung. Einmalig sind die zahlreichen Funde, die vor allem aus dem inneren Graben stammen. Zwar mag es politisch bedeutendere Burgen gegeben haben, aber von keiner Anlage haben wir so reichhaltiges Inventar wie von der Burg Göltzsch. Hier ist alles erhalten, was zum Leben auf einer Burg gehörte: Geschirr und Gläser, Holzlöffel und – schalen, Waffen, Reitausrüstung, Angelhaken und Spielzeug, sogar einmalige Funde wie Sonnenuhren und alchimistisches Gerät. Hans Nadler konnte infolge des Kriegsausbruches bei der Auswertung der Grabungsergebnisse das reichhaltige Fundmaterial nur in geringem Umfang berücksichtigen, seine spätere Tätigkeit als Landesdenkmalpfleger ließ ihm hierfür auch keine Zeit. Da sich zudem die Kenntnisse in der Archäologie seit der Untersuchung vor 60 Jahren um ein Vielfaches erweitert haben, werden seit 1997 in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ausgräber, dem Museum Rodewisch und dem Landesamt für Archäologie die Prospektion und ihre Funde umfassend bearbeitet. Nachdem schon während der Ausgrabung mit der Restaurierung ausgewählter Funde begonnen worden war, konnte 1952 auf dem ehemaligen Vorburggelände ein Museum eröffnet werden, in dessen liebevoll eingerichteter Dauerausstellung von Mai bis September die herausragenden Fundstücke präsentiert werden.